Der Grabungsablauf: Die freigebaggerten Flächen werden, wo möglich, hangabwärts mit 'Rübenhacken' großflächig plangekratzt, wiewohl auch die Baggerfahrer der Firma BÖHM, Kläham-Ergoldsbach, eine exzellente Vorgabe hinterlassen. Direkt im Anschluß wird die Fläche mit Diafilm und Schwarzweiß fotografiert. Danach ist die
Fläche begehbar, und die Befundansprache erfolgt. Im Anschluß wird die elektronische Vermessung mit der digitalen Totalstation vorgenommen. Meistens werden dabei die Schnittnägel für die Profilschnittkästen und -zeichnungen eingesetzt und mitgemessen. Nach dem Auslesen der Daten werden die Plana im Maßstab 1:20 ausgedruckt und mit der Hand
koloriert. Danach werden die Befunde geschnitten; wenn möglich werden die Schnitte so angelegt, daß sich berührende Befunde an ihrer Kontaktstelle geschnitten werden, um die chronologische Sequenz aufzudecken. Die Verfüllungen werden wo möglich nach natürlichen Schichten getrennt. Die Profile werden fotografiert mit Dia und in SW, und im Maßstab 1:20 gezeichnet und koloriert. Dann erfolgt die Restbefundentnahme. Funde werden wo möglich zwecks Datierung den jeweiligen Befunden bzw. Strata zugeordnet. Es werden auch einige wenige Bodenproben bei der Restbefundentnahme spurenträchtiger Objekte genommen.
Die Vermessung: Die Befunde, Grabungsgrenzen und Nivellements sowie die diversen Nägel werden mit einem Tachymeter (Totalstation) Nikon DTM 420 aufgenommen. Dieses Gerät ist in der Lage, nach erfolgter Stationierung von mindestens zwei bekannten Punkten aus, in drei Dimensionen unter Zuhilfenahme eines Infrarotstrahls und eines Reflektors beliebige Punkte zu vermessen und, in diesem Falle, im Gauß-Krüger Koordinatensystem zu speichern. Die Speicherkapazität des internen Feldbuches reicht in der Regel für einen Tag (2000 Punkte). Die Meßgenauigkeit liegt bei ca. 1 mm, jedoch sind die vom Vermessungsamt bereitgestellten Polygonpunkte selten genauer als ca. 3.5 cm. Die zu vermessenden Objekte wie zum Beispiel Befundumrisse, Grabungsgrenzen, Störungen etc. werden jeweils mit entsprechenden Codes gespeichert, so daß das Datenbankprogramm SINGULARCH 2.1a auf MS Access-Basis in der Lage ist, Skripte (ASCII-Dateien mit CAD-spezifischen Kommandos) für das CAD-Programm von VISIO zu erstellen, welches die Befunde jeweils als Splines (Kurven), Polylinien oder Punkte darstellt, jeweils direkt auf dem zugeordnetem Layer (virtuelle Zeichenblattschicht). Die Nivellements werden von einem Kanaldeckel in der Badstraße transferiert. Die erste Anschlußmessung zum Stationieren erfolgt nach der vom Bauamt zur Verfügung gestellten digitalen Flurkarte (SO-Ecke Schule und Grundstücksecke 2. Parzelle \ 3. Parzelle von der Badstr. aus an der Bebauung im Süden).
Die Fotografie: Es werden alle Flächen im Planum fotografiert, wobei die detaillierteren Flächenplanumsaufnahmen zugleich die Befundplanumsaufnahmen darstellen. Nur wo Befunde außergewöhnliche Strukturen im Planum aufweisen (z.B. Feuerstellen), werden sie in der Nahaufnahme aufgenommen. Die freigelegten Profile werden regelhaft im Detail aufgenommen. Fast alle Motive werden sowohl dreimal mit variierender Blende bei 1/60 sec mit Diafilm (in der Regel Kodak wegen der natürlicheren Farbwiedergabe) als auch zweimal mit Schwarzweißfilm (Ilford HP5 400) fotografiert. Wo möglich wird eine Fototafel mit Information zum Objekt mit erfaßt (Fundplatz, Planumsnummer, Befundnummer, Datum, Arbeitsschritt {Position} Firma, Schnittansicht). Die Filme werden je durchlaufend numeriert; e.G. Diafilme 1 bis 25 und SW-Film 1 bis 19. Die Diafilme werden gerahmt und in A4 Ordnern abgeheftet. Die SW-File werden als Negative entwickelt und Kontaktbogenabzüge angefertigt, welche zusammen archiviert mit den Diapositiven dem BLfD übergeben werden.
Kameras: Nikon F50 (SW) und Carena (Minolta) DF-300, (Diapositive) je mit Zoomobjektiven Nikkor 35-80mm bzw. Exakta 35-70mm.
Die Zeichnungen: Die Plana werden tachymetrisch erfaßt, die Befunde also punktweise mit dem Reflektor abgetastet und nach der Auswertung in Singularch mit einem CAD Programm plotfertig bearbeitet. Die Testausdrucke werden vor Ort mit den Befunden verglichen, und wo nötig (selten) die CAD-Ausgabe korrigiert. Die fertigen Ausdrucke in A3 Format, Maßstab 1:20 werden ohne Ausnahme
auf der Fläche koloriert. Im Einzelfalle, wo viel Detail zu dokumentieren ist (zum Beispiel Feuerstelle 197), wird mit der Hand von den Schnitt- bzw. Profilzeichnungsnägeln aus gezeichnet, und die Handzeichnung mit einem A3 Digitalisierbrett in das CAD Programm eingebracht; oder alternativ eingescannt und mit einem Raster-zu-Vektor-Konvertierungsprogramm mit GIS Daten versehen und als DWG Block exportiert.
Die Profile werden mit teilweise digital, meist jedoch von Hand gezeichnet. Die Zeichnungen werden von den tachymetrisch eingemessenen Schnittnägeln aus gezeichnet, wobei Nagel 'A' immer links sich befindet, also als Nullpunkt dient. Die Schnurhöhe wird dadurch definiert, daß die Oberkante des 'A'-Nagels als Ansatzhöhe dient, und die Höhen werden später von der Datenbank ausgelesen und auf die Zeichenblätter übertragen. Dadurch gibt es unrunde Schnurhöhen, aber dadurch wird die Information nicht verfälscht. Insbesondere der Berghang führt sowieso dazu, daß die Befund auf verschiedenen Höhen sich befinden. Kreuzschnitte werden aus datenbanktechnischen Gründen mit den Schnittnägeln 'R', 'S', 'T' und 'U' kodiert, und analog dem 'A'-Nagelverfahren behandelt. Kreuzungspunkte der Schnittlinien werden mit E, F etc. kodiert.
Die Befundschnitte werden auf einer eigenen Übersichtszeichnung im Format A3 geplottet und laminiert.
Die Nivellements befinden sich auf den ausgedruckten Plana und in der CAD-Datei, sowie in der Befundliste.
Die
Zeichenblattnummerierung ist hier wie folgt: Handplanumszeichnungen 1 bis 49; Profile 50 bis 99; Plana CAD 100 bis 999; Der CAD-Plan-Numerierung liegt folgendes System zugrunde: In der Fläche 2 befinden sich die 100er; in der Fläche 3 die 200er, in der Fläche 4 die 300er ... in der Fläche 9 die 800er. Die Übersichtspläne 1:100 befinden sich auf den 900ern.
Die Listen: Es werden folgende Listen ausgedruckt und abgegeben:
i. Befunde auf Zeichenblättern je sortiert nach
Zeichenblättern und nach Befunden
ii. Fotolisten DIA und SW nach Film sortiert und nach Filmnummer sortiert
iii. Fundzettellisten je sortiert nach Eingangsnummer und Befundnummer
iv. Befundliste mit
Funden und Fotonachweis, sowie eine Hardcopy der Vermessungsdaten.
Die Fundverwaltung: Die Funde werden, wo möglich, angesichts der beachtlichen Arbeitsgeschwindigkeit der ABM-Mannschaft und ihrem Erfahrungsmangel, getrennt nach Befundzuordnung, und zusätzlich bei der wenigen erhaltenen Stratifikation nach Schichten. Die Funde werden bei der Bergung grob vom anliegenden Lößlehm gereinigt, und zur Trocknung in gelochten Plastiktüten mit Laufzetteln gelagert. Die Beschriftung der Laufzettel beinhaltet das Datum, die Befundnummer, und, wo aus dem Kontext nicht ersichtlich, die Befundhälfte bzw. den Befundsektor aus dem die Funde geborgen werden. Zudem wird zur inneren Verwaltung die Fläche notiert. Bei schlechtem Wetter werden die Funde von der Mannschaft im Bauwagen nach Materialgruppen getrennt und neu vertütet, die Laufzettel werden wasserdicht verpackt und wo nötig neu geschrieben. Lesefunde ohne klare Provenienz werden den Flächen zugeordnet.
Die Fundverwaltung nach erfolgter Ausgrabung geschieht über die Datenbank Singularch. Dazu werden die Funde je nach Arbeitsschritt der Bergung sowohl der Befundnummer (Stelle) wie auch einer Arbeitsschrittnummer zugeordnet (Position) und in die Datenbank eingegeben. Durch die Relationalität der Datenbank ist es möglich Abfragen zu erstellen, um zum Beispiel alle Befunde aufzulisten, in denen Flint geborgen
wird, oder welche eine Länge von über zwei Metern aufweisen und Sandstein und Holzkohle enthalten und über Kreuz geschnitten werden usw. Die einzelnen Fundgruppen werden nach Eingangsnummer sortiert, und die Fundzettel in 3-facher Anfertigung ausgedruckt und luft- und wasserdicht vertütet und den jeweiligen Funden beigelegt. Nach Eingangsnummer (Eingabereihenfolge) sortiert werden sie dem BLfD in Stapelkisten übergeben.
Bodenproben werden wie Funde bearbeitet. Sie sind in der Eingangsnummerserie integriert. Sie werden luft- und lichtdicht verpackt.
Die Befundansprache: Die Befunde werden einzeln anhand der Bodenbeschaffenheit, der Farbe, der Konsistenz oder der Dichte diverser natürlichen oder anthropogenen Einstreuungen getrennt und einzeln ab der Befundnummer Zehn durchnummeriert und auf Stellenkarten festgehalten. Zunächst werden die Maße im Planum dokumentiert, dann die geologische und anthropogene Oberflächenansprache vorgenommen. Die Reihenfolge der Fotos und des Zeichnens wird ebenfalls festgehalten. Skizzen, zum Teil koloriert, werden als Zusatzdokumentation auf den Stellenkarten als Auswertungshilfe angefertigt. Ebenso festgehalten wird der Prozeß des Ausgrabens der Befunde, mit Querverweisen zu den Funden, den Zeichenblättern und den Fotolisten. Es wird eine stark verkürzte Schreibweise benutzt, zum Beispiel hieße: ' m d gr-br LL m v HK' ' mittel dunkel graubrauner Lößlehm mit viel Holzkohle'. Die Abkürzungskonventionen werden dokumentiert.
Im zweiten Drittel der Ausgrabung wurde umgestellt auf vorgefertigte Stellenkarten, wo die einzelnen Arbeitsschritte schriftlich schon fixiert sind und nur mit Datum und Position zu versehen. s. Abb. unten
Das Stellenkartensystem: Die oben erwähnten 'Arbeitspositionen und Stellen' sind das Produkt einer abgewandelten Form des Rheinischen Stellenkartensystems nach Vogt (s. Abb. 2, 3, 4) Dabei werden die Befunde nicht nur nach den üblichen Dokumentationskriterien festgehalten, sondern es wird auch der chronologischer Ablauf ihrer Bergung im Einzelnen niedergeschrieben, daher kann der Arbeitsschritt des Profilzeichnens vor dem Profilfoto erfolgen oder hinterher. Die Arbeitsschritte können Disparitäten in Nivellements zum Beispiel erklären, indem ein etwaiges zusätzliches Spatenplanum festgehalten wird.
Bei der Numerierung ist zu beachten, daß die Stelle 1 oder 0 die Ausgrabung an sich darstellt, die Flächen werden in diesem Falle mit 2 bis 9 betitelt, und die Befunde fangen bei 10 an. Je nach Grabungsverlauf kann man auch Teilflächen mit einer Stellennummer versehen, oder Großprofile oder aber auch zusammengehörige Befundkomplexe wie Pfostengruben, Traufrinnen und Feuerstelle einer
Behausung.
Durch die Querverweise von Fläche zu Befundkomplex zu Befund kann man leicht den Grabungsablauf nachvollziehen bzw. kontrollieren, und die rein numerische Ansprache erlaubt es, die Relationalität der Datenbank voll auszunutzen. Der Bearbeiter kann sich anhand der Verweise auf über- bzw. untergeordnete Stellenkarten schnell einen Überblick über die Gesamtgrabung (Flächenstellen), und
der Details (Befundstellenkarten) verschaffen.
...................................................................................................................... ..........
Ausschnitt Stellenkarte Rheinland:
Ort dort 1/2000 Stelle: 1 Seite: 5